Zurück im Regen

Auch 2021 hat sich das Geburtstagsschwimmen immer weiter nach hinten geschoben, wie schon 2020. Mai und Juni waren kalt und nass, erst im Juli gab es wieder sonnige Tage. Eine Woche Urlaub am Bodensee machten wieder Laune auf Freiwasser. Fast täglich war ich im Seebad Mettnau unterwegs. Nach dem Urlaub tüftelte ich an einer Möglichkeit, mein jährliches Geburtstagsschwimmen dort zu absolvieren. Für Neulinge – oder Leute wie mich, die sich nichts merken können: Seit einigen Jahren schwimme ich einmal im Jahr in einem Fluss oder See mein Alter in Hektometern. Kilometer oder Meilen wäre arg verwegen, deshalb Hekto~. (Zur Erinnerung: 1 Hektoliter sind 100 Liter, oder 237 Maß Bier auf dem Oktoberfest.) Diese Strecke hätte recht gut zwischen Strandbad Mettnau und Gaienhofen reingepasst. Da hätte ich sogar noch Kuchen im Haus Dix essen können! Aber die Deutsche Bahn wollte nicht so, wie ich wohl will und legte zwecks Baustelle die Strecke Stuttgart-Singen lahm. Da runter kommt man bis Mitte September nur über Ulm, daraus wird also nichts, die Idee muss ich für 2022 aufheben.

Im August beschloss ich spontan, eine Woche nach Regensburg zu fahren und meine Schwester zu besuchen. Auch die Kinder kamen mit, mussten aber vor mir wieder zurückfahren, so hatte ich den Donnerstag zur freien Verfügung. Die ganze Schwimmausrüstung, inklusive Neo und Ruckraft, hatte ich vorsorglich dabei, auch die Flusskarten, die ich bei meinem ersten Regenschwimmen 2014 säuberlich laminiert hatte. Am Morgen brachte ich meine Tochter zum Bahnhof und fuhr von dort direkt nach Pielmühle. Dort ließ ich das Auto stehen und wanderte am Regen entlang nach Norden, das Schwimmzeug im Rucksack. Nach einer guten Stunde kam ich in Edlhausen an, wo ich nach meiner Berechnung starten musste, um die geplante Strecke unterzubringen. Aber erst mal musste ich überhaupt zum Fluss kommen. Auf mehreren hundert Metern war die Wiese zwischen Radweg und Regen durch eine Pferdekoppel mit Elektrozaun blockiert. Ich stapfte außenrum, immer in der Befürchtung, dass gleich ein Landwirt mit Mistgabel aus dem Busch springt und mich bezichtigt, seinen Huflattich grasen zu wollen. Schließlich fand ich eine Stelle im Gebüsch, an der man nicht nur unfallfrei wassern, sondern sich auch blickgeschützt umziehen konnte. Auch die gesamte Ausrüstung wollte verstaut sein. Auf dem Ruckraft montierte ich eine Kamera auf Stativ für Videoaufnahmen; eine Handkamera mit Dome Port für Fotos stopfte ich zwischen die Riemen, neben die Wasserflasche und die Flusskarte. Hier Fotos von der Vorbereitung und im Einsatz:

Als ich gerade losschwimmen wollte, fiel mir auf, dass der Reißverschluss am Neo noch offen war. Den hatte ich zwar vorher schon – zu meiner großen Überraschung – erfolgreich geschlossen, dann aber wieder halb geöffnet, um Vaseline um den Hals zu schmieren. Jetzt ging er natürlich um die Burg nicht wieder zu… Es bedurfte mehrerer Minuten akrobatischer Verrenkungen und internationaler Flüche, bis die Garderobe wieder gesellschaftsfähig war. Dann schwamm ich endlich los. Und wusste sofort, warum ich hier war und das tat. Schwimmen im Freiwasser ist für mich die beste Therapie. Und wenn der Fluss ordentlich Strömung hat, macht das umso mehr Spaß! Anfangs spielte ich noch ein wenig mit meiner Unterhaltungselektronik und machte Fotos, aber dann fiel ich in den Flow und schwamm einfach nur vor mich hin. Laut Markus Söder (bzw. seinem Landesamt für Umwelt) hatte das Wasser etwa 19°C. Mit Neo war ich also bestens angezogen, schließlich muss ich niemandem etwas beweisen 😉 . Recht bald kam die Brücke bei Regendorf in Sicht. Dort musste ich kurz raus. Von meiner letzten Beschwimmung 2014 wusste ich, dass der Fluss auf den ersten 200 Metern nach dem Wehr gerade mal knöcheltief ist, also ging ich am Ufer entlang und stieg weiter unten wieder ein. Von hier waren es noch rund 4 km zu schwimmen. Ich war im Vorfeld nicht sicher gewesen, wie ich die Gesamtstrecke überstehen würde; doofes Wetter und eine kleine OP hatten mein Training dieses Jahr erheblich eingeschränkt. Doch die Sorge war unbegründet, stressfrei und entspannt schwamm ich gemütlich weiter. Kurz nach Zeitlarn sah ich die Bojen vor dem Wehr Pielmühle, früher als erwartet. Um die 61 Hm auch sicher voll zu machen, schwamm ich etliche Male im Zickzack über den Fluss hin und her, bevor ich auf die Zielgerade einbog. Die abendliche Analyse beim Önologen hatte ich mir damit redlich verdient.

Über Günter

Manager und Triathlet
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