Zu Hause im Dschungel

Ende 2019 habe ich mich zur Unruhe gesetzt. Zwei Jahre im Kunstmuseum Stuttgart waren aufregend und spannend, aber am Ende des Tages selbst für mich zu blond. Und außerdem starte ich 2020 in der AK M60, da muss ich auftrainieren! Wer weiß, ob ich in 10 Jahren noch Lust dazu habe. Oder inzwischen irgendeinem Unfug zum Opfer gefallen bin. Im Januar habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet und bin dort quasi eingezogen, bis dann Mitte März Schluss mit lustig war. Seither hopple oder radle ich wieder an der frischen Luft, obwohl bei schönem Wetter die Einhaltung von 2 Meter Abstand die Slalomkünste einer Rosi Mittermaier erfordern. Auf dem Neckar-Radweg zwischen Marbach und Ludwigsburg-Hoheneck gibt es zeitweise Blockabfertigung. Mein genialer Plan, die AK 60 aus dem Stand aufzurollen, hat sich damit schon vor Saisonbeginn erledigt. Die anderer Hobbyletten haben dieses Jahr auch Trainings-Kilometer ohne Ende… An den Ruhetagen widme ich mich der Handarbeit. Nach dem Pullover im Muster der Seehasen-Bahn Singen-Radolfzell wurde auch der Regionalbahn-Pullover fertig, bevor der Frühling endgültig ausbrach:

 

Nach dem Ende meiner Karriere als Sesselfurzer hatte ich eine schöne Sammlung an Selbstbindern übrig, für die ich auch schon eine Idee hatte. Im Stoffgeschäft meines Vertrauens kaufte ich einige Meter Futterstoff und Bügelvlies und machte mich an die Arbeit. Den ersten Prototyp schneiderte ich aus zwei Krawatten, um die es nicht arg schade war:

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Mit der Erfahrung aus diesem Projekt wagte ich mich an die edleren Stücke mit den Dschungel-Motiven. Eines davon habe ich während meiner italienischen Phase in Verona gekauft, das andere während meiner vorgetäuschten Hochzeitsreise in Windhoek. In Wirklichkeit war ich in Windhoek zu einem Vorstellungsgespräch gewesen, das wollte ich meinem damaligen Chef aber nicht auf die Nase binden. Und weil ich in der Woche zuvor geheiratet hatte, habe ich ihm erzählt, wir hätten die Hochzeitsreise gewonnen, die der Regensburger Kaufleuteverband für das schönste Brautpaar des Jahres ausgelobt hatte. (Als ich ein Jahr später gekündigt habe, fragte ich, ob er das denn geglaubt hätte; er sagte ja. Dabei war der nicht mal blond!) Ich hatte allerdings riskiert, dass mein Chef meiner Frau über den Weg läuft, mit der ich vorgeblich am Flittern war. In dem Fall hätte ich mich damit herausgeredet, dass die schon mal in Afrika war…

Die Entstehung der zweiten Weste habe ich in einem „making of“ Video dokumentiert. Unter Verwendung eines Stativs und zweier Kameras im Wechsel (wegen Akkulaufzeit) entstanden knapp 100 Minuten Videomaterial. Weil nach der Kjartansson-Ausstellung kein Schwein den Nerv hat, sich das anzusehen, haben ich nach der Schneider- die digitale Schere angesetzt und weite Teile auf 4-fache Geschwindigkeit beschleunigt. Hier das Werk:

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Ausländer als Ohrwurm

Neulich habe ich von meinen Malaisen mit dem mobilen Blitzer erzählt. Mein erster Anlauf für den ersten Satz war: „Was seh ich, als ich gestern auf der Straße geh?“. Und Zack, der Ohrwurm hatte sich festgesetzt. Es war das Ausländer-Lied von Georg Kreisler. 1963 aufgenommen, wie ich jetzt gesehen habe. Ein launiges Liedchen über den alltäglichen Rassismus. Und leider aktueller denn je. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zeigen immer dreister ihre hässliche Fratze. Aus der niederschwelligen, allgegenwärtigen Antipathie gegen alles Fremde ist knapp 60 Jahre später offen gelebter Hass geworden, der vor immer weniger zurückschreckt und von immer weiteren Kreisen als normal akzeptiert wird (Stichwort: das wird man doch noch sagen dürfen). Statt „Geh doch nach drüben“, der damals beliebten verbalen Keule insbesondere für Kritiker des größten bayerischen Landesvaters aller Zeiten, wirft man liberalen, weltoffenen Menschen heute Todesdrohungen und andere Gewaltphantasien an den Kopf.

Das Lied zeigt in seiner Skurrilität den ganzen Schwachsinn auf, der hinter der selbst gezimmerten xenophoben Weltsicht steht. Das beginnt schon mit der Zuschreibung der Ausländischkeit. Woran hat der Erzähler das festgemacht? Hautfarbe, Haare, Kleidung, Sprache, Accessoires? (Stichwort: Nein, wo kommen Sie wirklich her?). Dann die spontane Reaktion: Schnappatmung ob der Unverschämtheit, dass dieser Mensch existiert; Kernschmelze jeglichen vernünftigen Denkens; abstruser Aktionismus; und am Schluss gibt man dem „Ausländer“ die Schuld für die eigene Blödheit.

Zur Erheiterung und Abschreckung hier der komplette Text:

Der Ausländer
T.u.M. Georg Kreisler
Erschienen 1963 bei Preiserrecords

Was seh ich, als ich gestern auf der Straße geh?
Der Schreck tut mir heut noch weh:
Oh Gott, einen Ausländer!
Er lässt die Leute still an sich vorbei gehn,
Als wollt er sagen: wart, ich werd’s euch zeigen!

Ich bin doch sonst ein ruhiger und beherrschter Mann,
Den nichts irritieren kann –
Außer ein Ausländer.
Als dieser plötzlich weiter ging, da dacht ich: saperlott,
Dem geh ich nach, ich bin doch Patriot!

Das ist wieder typisch!
Er ist doch schließlich nur ein Ausländer, nicht mehr!
Und geht so sorgenfrei,
Als ob er Schweizer sei,
Durch den Verkehr.
Ich muss hinterher!

Das ist wieder typisch!
Er sieht den Leuten, die ihn anschaun, ins Gesicht!
Und wenn er stehen bleibt,
Wie’s ihn gleich weiter treibt,
Den Bösewicht!
Mich bemerkt er nicht.

Vor der großen Kirche auf dem Hügel bleibt der Schurke endlich stehn.
Und er reißt die Augen auf, als hätt‘ er diese Kirche nie gesehn!

Das ist wieder typisch!
Jetzt geht er in die Kirche rein, so ein Sch… kandal!
Obwohl ich Schweizer bin,
War ich noch niemals drin,
Doch dieses Mal –
Bleibt mir keine Wahl.
Fatal!

Ich denke oft des Nachts, während mir das Blut gerinnt:
In anderen Ländern sind
Überhaupt nur Ausländer!
Doch hier versucht sich keiner einzunisten –
Nur im Tessin n‘ paar steinreiche Touristen.

Dafür sind wir auch auf der ganzen Welt bekannt:
Wir sind das einzige Land
Mit ausschließlich Inländern!
Und wenn nicht grad Saison ist und s‘ kommt trotzdem wer vorbei,
Dann schnappt ihn uns’re Fremdenpolizei.

Das ist wieder typisch!
Ich musste lange vorm Hotel auf Wache stehn.
Ich denk, er kommt um acht,
Was glaub’n Sie, was er macht?
Er kommt um zehn!
Ich hab ihn gesehn.

Das ist wieder typisch!
Er hatte nämlich nachts zuvor ein Rendezvous
In einer kleinen Bar,
Doch als er hinkam, war
Die Bar schon zu! Haha!
Na, da gab er Ruh! Hahaha!

Plötzlich spricht er mich an
Und schon nach den ersten Worten war ich platt!
Das war ja gar kein Ausländer,
Das war ein Käufer aus der nächsten Stadt!
Sehn Sie, was man mitmacht!

Das ist wieder typisch!
Da kommt ein Ausländer in uns’re Stadt voll List,
Geht üb’rall aus und ein,
Ich schleiche hinterdrein,
Seh alles, was er macht,
Bleib auf die ganze Nacht,
Geh selber nicht nach Haus
Und dann stellt sich heraus,
Dass dieser Ausländer ein Einheimischer ist!
Ist doch wieder Typhus!
Äh, typisch!

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Blitzermarathon mit Hindernissen

Als Radler ein ordentliches Blitzerfoto zu bekommen, kann ganz schön mühsam sein. Seit Jahren träume ich davon, einmal einen Blitzer in einer 30er-Zone zu erwischen. Und dann das: in Ludwigsburg wurde tatsächlich in einer Straße, wo das fast nicht möglich ist, Tempo 30 ausgerufen und seit drei Tagen steht dort der neue, mobile Hightech-Blitzer. Um das Thema Fahrrad und Tempolimit ranken sich ja so einige Gerüchte: angeblich gelte ein Tempolimit nicht für Rad Fahrende, weil das Fahrzeug nicht zwingend mit einem Tacho ausgerüstet sei, behauptet eines. Was aber, wenn man nachweisen kann, dass der Radler die erlaubte Geschwindigkeit vorsätzlich erheblich überschritten hat, um den Blitzer auch wirklich auszulösen? Ich distanziere mich deshalb ausdrücklich von folgender Vorgehensweise, die ich mir rein hypothetisch in meiner blühenden Phantasie ausgedacht habe:

Aha. Ein Blitzer! Bei Tempo 30. Bergab. Mit dem Rad schafft man das locker. Man muss aber den Autos entsprechend Vorsprung geben, damit die einen in ihrer Panik nicht ausbremsen! Also eine Lücke abwarten, zwei Minuten hyperventilieren, einklicken und losfahren. Mittleres Blatt, großes Blatt, (warum bin ich hier mit dem Trekkingrad unterwegs? Weil ich zu faul bin, wegen so einem Scheiß extra heim zu fahren und das Rennrad klar zu machen), die Ritzel durchgeklickert bis die Kette da ist, wo sie hin gehört: rechts! (Da gehört NUR die Kette hin! [Anm. d. V.]). Tempo und Laktat steigen stetig an. Wo steht denn jetzt der blöde Blitzer? Haben die den abgebaut, während ich Einkaufen war? Das wäre ja eine Infamie besonderen Ausmaßes! Noch 100 Meter bis zur Ampel und ich hänge hinter den regelkonformen PKWs – also zu wenig Vorsprung gegeben. Da steht der Blitzer dekorativ am Straßenrand und macht: Nichts! Was für ein Frust… Geschlagen geben? Niemals! Also umgedreht und den Berg wieder hoch. Was macht man nicht alles für die Gesetzlosigkeit… Diesmal warte ich nach dem letzten Auto extra lange. Inzwischen weiß ich auch, wo der Blitzer steht. (Nicht vergessen: alles in meiner Phantasie). Nochmals die Gänge durchgeklickert und die Pumpe angeworfen. Diesmal krache ich mit Highspeed an dem Gerät vorbei. Sehe aber keinen Blitz. Für einen weiteren Anlauf bin ich zu faul.

Was solls – ich steh zu dem Scheiß, den ich baue! Natürlich hat sich all das nicht in meiner Phantasie, sondern im echten Leben abgespielt… Ich wusste nicht, ob da ein Foto rauskam oder nicht, bei all der Mühe, die ich mir gegeben hatte. Also bin ich auf die facebook-Seite der Polizei Ludwigsburg und habe da schüchtern angefragt (für einen Freund), ob die gegen 14:35 Uhr einen Radler geblitzt hätten. Die erklärten sich aber für nicht zuständig und verwiesen mich an den städtischen Vollzugsdienst. Auf eine Antwort auf meine Mail an Letzteren warte ich noch. Aber wenn das Foto was wird, gebe ich im schlimmsten Fall für ein paar Wochen den Lappen ab. Schließlich habe ich 5-6 Räder 😉 Und das Foto käme prominent auf mein Parship-Profil!

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Widerstand ist zwecklos

Die Versuchung hat das bei mir aufgegeben. Ich spring so schnell auf alles an, das macht gar keinen Spaß mehr…

Mit meinem Umzug nach Stuttgart habe ich mein Mobilitätsverhalten inklusive Fuhrpark radikal verändert. Der größte Einschnitt bestand darin, dass ich schweren Herzens einen Großteil meiner Fahrräder verkaufen musste. Ein üppiges Haus mit zwei Garagen schränkt einen da deutlich weniger ein als eine Etagenwohnung in Stuttgart. Ein Nebeneffekt war, dass ich vor lauter Bargeld aus dem Verkaufserlös eine Zeit lang nicht mehr zum Geldscheindrucker musste und beinahe die Geheimzahl vergessen habe. Das Auto abzugeben war da wesentlich einfacher. Die meisten Strecken fahre ich mit dem alten Fahrrad, zwei Kilometer zur Arbeit, ins Hallenbad genau so weit. Wenn ich doch mal ein Auto brauche, habe ich im Umkreis von 500 Metern mehrere Stadtmobil-Stationen, wo ich für kleines Geld eines leihe. Dazu gibt es noch die Leihräder der Bahn für spontane Spritztouren. Und dann gibt es ein Leihangebot, das für den linksgrünversifften Städter so genial ist, dass ich nur auf einen Vorwand gewartet habe, zuzuschlagen: in Stuttgart kann man Lastenräder ausleihen! Mehrere Geschäfte, die Lastenräder besitzen, haben sich zur Lastenradinitiative zusammengetan und verleihen diese Geräte gegen eine kleine Spende an registrierte Benutzer. Heute habe ich beim Bioladen meines Vertrauens (wo ich seit einer Woche Mitglied bin, aber das ist eine andere Geschichte, die auch mit der Schokoladentour zusammenhängt) ein Yuba Mundo gechartert und habe Gerätschaften aus dem 18 Kilometer entfernten Ludwigsburg abgeholt. Gestartet bin ich voll bester Vorsätze und hab den Motor erst mal ausgestellt. In der Ebene ging das wunderbar, aber an der kleinsten Steigung merkte ich das Gewicht ganz schön. (Das vom Fahrrad, meines bin ich ja gewohnt). Am Fußgängersteg über den Arnulf-Klett-Platz gabs dann eine kleine Panne: die Kette sprang vorne nicht aufs kleine Blatt und ich bin nach 5 Metern jämmerlich verhungert. Irgendein Nasenbär hatte den inneren Anschlag verstellt – ich habs instandgesetzt. Als es aus dem Kessel hinausging, habe ich doch den Akku angeworfen. Ich bin so was ja nicht gewohnt und war dann schwer beeindruckt. Fünf Stufen kann man einstellen. Die erste reichte fürs meiste aus, mit 3 und mehr flog ich die Steigungen nur so hinauf. Unterm Strich läuft es drauf hinaus, dass man bergauf wahlweise etliche (wegen des Gewichts) Gänge runterschaltet oder eben die elektrische Unterstützung einen Ticken hochdreht. Weils pressiert hat, habe ich gern letzteres gewählt. Mit dem Saft aus der Dose kommt man auch bei voller Zuladung zügig von der Ampel weg und kann geschmeidig im Stadtverkehr mithalten, 30 Sachen sind locker drin und bei entprechender Verkehrsdichte kommen die Autos eh nicht wesentlich schneller voran. Von Zuffenhausen zum Pragsattel bin ich auf dem Radweg gefahren. Auf den 1,7 km bin ich an jeder Ampel den gleichen Autos begegnet! Pünktlich um 2 Uhr war ich wieder am Laden und habe das Gefährt schweren Herzens wieder abgegeben. Gerade noch rechtzeitig, bevor ich mich zu sehr an den Motor gewöhnt habe…

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Prämissen, Postmissen und Vermissmeinnicht

Heutzutage schließt man ja seinen Reisekoffer drei mal ab, selbst wenn auf dem Heimflug nur Schmutzwäsche drin ist; und vielleicht ein Kilo Sand; und eine schlecht verschlossene Tube Vanilleeis. Wenn ein Fahrrad im Koffer ist, das mehr kostet als eine Luxuskreuzfahrt, dann natürlich erst recht – aber in welchem Koffer steckt schon ein sündteures Fahrrad? Richtig: in einem Fahrradkoffer! Darum braucht, wer ein teueres Rad sein eigen nennt, irgendwann so einen Koffer, zumindest gefühlt. Weil man ja schon mitten im Winter auf irgendwelchen sonnenverwöhnten Inseln Kilometer schrubben muss, um unter MAMILs seinen MAMIL zu stehen. Im Umkehrschluss und um es kurz zu machen: ohne den zugehörigen Schlüssel ist so ein Koffer nicht viel wert. Nachdem ich mich über die letzten Jahre vom MAMIL zum FAS weiter entwickelt hatte, war mir das natürlich klar. Und weil ich als FAS keinen Radkoffer brauche, und weil der auch nicht in meine neue Bude passt und ich ihn deshalb verhökern wollte, habe ich den zugehörigen Schlüsselbund gehütet wie meinen Augapfel. Aber manchmal weiß man halt nicht, wo einem der Kopf steht… Jedenfalls habe ich vorletzten Sonntag den Koffer zur Auktion freigegeben und folglich war er gestern Abend verkauft. Und der Käufer hat mich mit dem Wunsch nach Abholung heute total überrumpelt. Heute früh also totale Panik: wo der Koffer steht, war ja relativ klar: in der neuen Bude jedenfalls nicht! Aber wo sind die vermaledeiten Schlüssel? Wochenlang hatte ich sie immer wieder in der Hand und war stolz wie Oskar, dass da ein korrrekt beschrifteter Schlüsselanhänger dranhing. Aber jetzt? Totale Ahnungslosigkeit! Vor der Arbeit habe ich die üblich verdächtigen Plätze abgesucht und nichts gefunden. Macht nix, dachte ich, dann muss er in der alten Wohnung sein, nahe beim Koffer. Nach der Arbeit bin ich zur S-Bahn geradelt, mit dieser in die mittelalte Heimat, dort zur alten Wohnung, habe in das Schlüsselkästchen geschaut und: nichts! Überrascht hat mich das nicht wirklich… Mein Bartschneider ist beim Umzug auch spurlos verschwunden und nicht einmal die Anschaffung eines neuen hat ihn heraufbeschwören können. Während ich noch derwischmäßig durchs Haus rotierte, klingelte schon der Käufer an der Tür. Zerknirscht beichtete ich ihm meine Idiotie. Zu meiner Erleichterung ging er auf den Vorschlag ein, einen erheblichen Teil des Kaufpreises einzubehalten, bis ich die Schlüssel wieder gefunden hätte.

Der Käufer, welcher sich nicht wirklich sicher war, ob er ein glücklicher sein solle, zog mit seinem unverschließbaren Koffer von dannen. Zwei Minuten später fiel mir natürlich siedend heiß ein, wo der Schlüssel in der neuen Wohnung rumlag. Nach einer ökologisch korrekten Rückfahrt mit Rad und Öffis stürzte ich mich sofort auf das Schüsselchen mit den besonderen Schätzen. Von Schlüssel keine Spur… Frustriert schlich ich um mich herum und suchte nach einem Ausweg. Am Schluss fand ich die Schlüssel natürlich – am 3. üblich verdächtigen Ort. Mail geschickt, Schlüssel eingetütet, morgen gehts zur Post, Ehre halbwegs gerettet – und hiermit öffentlich gebüßt.

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Cornwall & Cornwall 6/x

Die nächsten Tage folgten dem gleichen Schema: viel Wind, Wechsel aus Regen und Sonne, zwei mal täglich ins Meer und dazwischen haben wir hemmungslos gefuttert. Skipper Barry gab eines Abends ein Konzert, Gitarre und Gesang, traurige Lieder von schottischen Seeleuten, die immer noch mal zum letzten Mal anheuern, oder die in einer Leprakolonie enden. Am Donnerstag gab ich noch eine Sondervorstellung rund ums Schiff.

Dann fuhren wir zurück nach Newlyn. Die Frage, ob wir Freitag früh nochmal schwimmen würden, wurde mit dem Hinweis verneint, dass wir nach dem abendlichen Besuch im Pub sowieso entweder auf der Polizeistation oder im Krankenhaus enden würden… Nach dieser Ankündigung verlief der Abend eher enttäuschend. Im ersten Pub holten sie missmutig die Stühle wieder von den Tischen und erlaubten uns ein Bier. Im zweiten war ich mit der Crew alleine. Weil die Bedienung aus Italien kam, nahm sie es mit der Sperrstunde nicht ganz so genau und wir bekamen auch hier noch was. Freitag quetschte sich der Großteil der Gäste in Petes Range Rover. Pete brachte uns zum Bahnhof in Penzance, wo wir uns verabschiedeten und in unsere jeweiligen Waggons verzogen.

Im Zug bekam ich die volle Dosis der anderen Welt – die mir nicht wirklich gefehlt hatte. Vier Hühner auf dem Wochenendtrip nach London setzten sich vor mich, zogen Cyder-Dosen raus und glühten schon mal vor für den Abend. Später stieg ein schräger Vogel ein, setzte sich neben mich und bot mir eine Dose Cyder an. Ich lehnte dankend ab, dafür holte er mir einen Cappuccino aus dem Barwagen. Zur Strafe durfte ich mir die Story vom Pferd anhören. In einem Moment erzählte er, wie gut die Wirtschaft auf dem Kontinent liefe und dass man besser rübergehen solle; dann riet er übergangslos den Iren, dem gloriosen britischen Beispiel zu folgen und den Irxit zu machen, statt ihre fickenden Fischereirechte fickenden Spaniern zur Verfügung zu stellen. Zum Glück kam an der nächsten Station die Person, die den Sitz reserviert hatte und mein verbalkopulierender Weggenosse musste weiter ziehen. Nach öder Warterei in Heathrow und einem halb verschlafenen Flug kam ich todmüde in Stuttgart an. Immerhin hat meine Lieblingstochter inzwischen den Führerschein und so kam ich halbwegs bequem nach Hause.

Hier einige Impressionen der letzten Tage:

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Cornwall & Cornwall 5/x

Was bisher geschah:

Cornwall & Cornwall 1/x
Cornwall & Cornwall 2/x
Cornwall & Cornwall 3/x
Cornwall & Cornwall 4/x

Einige Leute aus der Gruppe versuchten alles, um ihre Badekappen zu weiten. Ich war da weniger zimperlich. Ich hab zwar einen Quadratschädel, aber der ist stabil genug für so n bisschen Silikon.

Auch von Scheuerstellen blieb ich zum Glück verschont. John war übel aufgerieben und auch andere griffen nach dem Schwimmen tief in den Cremetopf. Susie und John empfehlen einen speziellen Gummikragen.

Um 10 sprangen wir über die Reling. Erst mal zur Rettunsbootstation an der Küste, dann diese entlang, zwischen Felsen durch, mit der Brandung in Höhlen hinein und gegen die Brandung wieder heraus. Mit letzter Kraft kämpften wir uns um eine exponierte Landspitze herum, dann brachten uns die Schlauchboote zurück zum Schiff. Bei Tee und Sandwiches diskutierten die Guides mit dem Skipper und dem Eigner über das weitere Programm. Diverse DVDs über Schiffsunglücke stünden zur Auswahl, verriet man uns. John rettete uns mit dem Hinweis, dass ja Sonntag sei, es noch Braten gäbe und wir uns den noch verdienen müssten. Also schwammen wir 55 Minuten durch eine Bucht, über Kelpwälder am Strand entlang und quer durch zurück. Die Weiterfahrt nach Falmouth war wieder stürmisch. Endlich machten wir an einer Boje fest. Zu Feier des Tages gab es den bereits erwähnten Braten, eine Geburtstagstorte für Susie sowie meterweise Seemannsgarn. Stefan erzählte uns die Geschichte des Schiffes, den Zusammenhang mit der Cutty Sark und die Herkunft des Namens (aus einem Gedicht von Sir Walter Scott). Barry ließ sich nicht lumpen und steuerte die Geschichte bei, wie sie ein Schwein auf dem Schiff hatten und eine Kajüte zum Stall umbauten.

Hier die Doku der beiden Schwimmstrecken:

Und hier ein paar Fotos:

Am nächsten Morgen fuhren wir in aller Frühe den Fal hoch, wo wir einen Morgenschwumm von 2 km absolvierten. Das Wasser im Fluss war immer noch salzig und dazu auch noch trübe. Ein bisschen Regen, viel Sonne und noch mehr gute Laune waren angesagt. Beim zweiten Frühstück kam die schlechte Nachricht: mit Scilly würde es definitiv nichts werden, die Windwarnungen waren zu riskant. Pete tröstet uns, wir würden an der Ostseite der Halbinsel genügend schöne Schwimmstrecken finden (er hat Recht behalten). Von nun an hieß es: Fly by the Hoof, frei übersetzt: Navigation auf Sicht.

Nachmittags ein Ausflug an Land, einmal um das Trelissick House herum. Beim Anlanden mussten wir 20 Meter durch Schlamm waten; ich dachte an Wattwürmer. Pete wollte Susie galant an Land tragen, natürlich fielen beide in den Schlamm…

Am Abend dann das große Abenteuer, das unter dem Motto stand: What could possibly go wrong? – Was kann schon schiefgehen? Wir schwammen den Fal hoch, an der Fähre vorbei zu den Kühlfrachtern, die dort den Sommer über geparkt waren, bevor sie im Herbst Obst aus Südamerika holen sollten. Zwei lagen dicht nebeneinander vor Anker, durch Fender auf Abstand gehalten. Die Guides beschlossen, erst mal Simon vorzuschicken; wenn der aus eigener Kraft wieder rauskäme, sollten wir dort ein Gruppenfoto machen. Andernfalls nicht. Simon gab Entwarnung und wir fotografierten unter großem Hallo zwischen den Bugnasen der mächtigen Schiffe. Dann entdeckte jemand – wer, ließ sich nicht mehr feststellen – , dass man auf Wasserhöhe zwischen den Frachtern durchgucken konnte, hinten war Licht. Die ganze Meute bretterte in den schmalen Spalt. Über uns ragten stählerne Wände in den Himmel. Der Spalt wurde immer enger, es fühlte sich an wie schulterbreit, das Wasser war von den Vorderleuten aufgewühlt. Unsere aufgeregten Schreie hallten in diesem Canyon hin und her, bis wir zwischen den gigantischen Steuerrudern herauskamen und hofften, dass nicht gerade der wöchentliche Probelauf der Schiffsschrauben anstünde. Pete kam mit dem Schlauchboot außenrum, zwischendurch hat er nicht gepasst.

Hier die Schwimmstrecken und Fotos:

Fortsetzung folgt…

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Cornwall & Cornwall 4/x

Nach dem Essen fuhren wir zum Nachmittagsschwumm. Ich nutzte die Gelegenheit, als John mal wegmusste, und grabschte mir das Steuerrad.
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John hat in seiner Jugend viel Zeit in dieser Gegend verbracht und hat hier auch viel gesegelt. Jetzt fahren wir zwar unter Motor, aber er ist am Steuer überglücklich. Später in seinem Leben war John im Auftrag ihrer Majestät und von Lady Thatcher auf den Falklandinseln und weiß darüber mindestens so viel, wie Forrests Freund Bubba über Shrimps weiß; und er gibt sein Wissen hemmungslos weiter. Aber das führt jetzt zu weit.

Die Verantwortlichen suchten eine Bucht zum Ankern für den Nachmittag. Erst im dritten Anlauf hielt der Anker und wir stiegen wieder in die Schlauchboote, die uns zum Ausgangspunkt brachten. Diesmal schwammen wir an der Küste entlang, über Felsblöcke mit Kelp, der in der Dünung hin- und herschwang. Die Boje ließ ich den Rest des Urlaubs weg. Ich hatte eine Möglichkeit gefunden, die Kamera so an einen Gürtel anzuflanschen, dass sie nicht störte und ich einigermaßen gut drankam. Auf die Neosocken, die ich am Morgen noch anhatte, verzichtete ich in der Folge ebenfalls. Erstens waren sie thermisch unnötig und zweitens floss so die Pisse besser aus dem Neo. Wer noch nie in den Neo gepinkelt hat, der werfe den ersten Blasenstein!

Vor einer Piratenhöhle gab es wieder tief fliegende Trinkflaschen. Weiter ging’s zu einem Strand, von wo aus die Boote uns zum Schiff brachten. Mit Tee und Keksen stärkten wir uns für die äußerst stürmische Weiterfahrt. Während in der Kombüse Schaumkronen im Kochtopf schwappten, ging draußen die die Sonne in spektakulären Farben unter.

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Um 21:15 fiel der Anker und wir futterten einen köstlichen Hühnereintopf. Alt wurde niemand.

Crispin war so nett, alle Schwimmstrecken aufzuzeichnen und zu teilen; hier die von diesem Tag:

Obwohl fix und foxi, wachte ich um 5 mal auf und tastete mich im Halbschlaf zur Bugtoilette vor. Auf dem Rückweg wunderte ich mich, dass ich die Kajütentür offen gelassen hatte, aber so genau erinnerte ich mich nicht mehr. Ich tastete mich zur Koje und deponierte meine Brille in der Ablage; stellte verwundert fest, dass da was drin lag, was ich da nicht hingetan hatte; stellte nahezu gleichzeitig fest, dass in der Koje jemand lag, den ich nicht kannte. Gaaaanz vorsichtig nahm ich die Brille wieder an mich und suchte die richtige Kajüte auf. Um 7:30 wachte ich wieder auf, machte mich hübsch und ging nach oben. Dort schlichen schon ein paar müde Gestalten herum und John quasselte Jos ein Ohr ab. Beim Frühstück lernten wir von Pete noch interessante Details über die Organisation der Lebensretter. Die staatliche Unterstützung wird stetig zurückgefahren, darum stehen am Strand nicht nur die mehr oder weniger muskulösen, aber allzeit braungebrannten Mädels und Jungs, sondern auch Mitglieder der Jugendorganisation, die die Strandbesucher auf dem Weg zum Parkplatz abfangen, umarmen und nach Feedback und Spenden fragen. Der Fachbegriff für diese Leute ist Chuggers – Charity Huggers.

Fortsetzung folgt.

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Cornwall & Cornwall 3/x

Ed und ich, als Hobby-Paranoiker, waren die ersten Gäste an Bord. Ich erkundete erst mal die Takelage, so hoch, wie ich mich traute, …

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 … dann stieg ich runter in den Motorraum und half unserem Skipper Barry beim Ölnachfüllen.
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Guide Keith und Koch Matthias kannte ich schon vom Vortag.
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Nach und nach trudelten alle Teilnehmer ein. Wir bezogen unsere Kabinen; meine teilte ich mit Claudius, der sich als äußerst kleinstraumkompatibel erweisen sollte. Er störte weder durch Geräusch noch Geruch und wir tanzten immer ein elegantes Ballett, wenn wir uns auf dem halben Quadratmeter freier Bodenfläche umzogen oder sonstwie aneinander vorbei mussten. Ich hoffe inständig, dass ich mich genau so gut benommen habe. Danach war die Einführungsveranstaltung im Speisesaal anberaumt. Erst mal bekamen wir die brandneuen Zipfelmützen (mit abknöpfbarem Zipfel).
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Nach einer Vorstellungsrunde kam die allgemeine sowie die spezielle Sicherheitseinweisung. Nervös und gespannt verfolgten alle, was es so zu beachten gab. Es fing harmlos genug an: wir sollten mit Wasser und Strom sparsam umgehen. Sara, die Maatin, machte klar, dass sie 24/7 zur Verfügung steht, WENN NOT AM MENSCH IST, ansonsten zu üblichen Geschäftszeiten. Not am Mensch ist zum Beispiel bei unmittelbarer Lebensgefahr… und wer sich nicht benimmt, darf sein Handtuch nicht in den Wäschetrockner werfen, über den sie die Schlüsselgewalt hat. Zwischendrin mussten wir aus dem Hafen raus, weil ein Fischerboot Platz brauchte. Dabei lernten wir, dass es an der Hafenausfahrt von Newlyn eine Markierung gibt, die als Referenz für alle Wasserstandsangaben weltweit dient. Ab jetzt leicht schaukelnd ging die Einweisung weiter. Das Schlimmste, was auf See passieren kann, ist ein Mensch, der von Bord fällt. Die Seeleute mussten sich erst mühsam daran gewöhnen, dass auf den Swimtrek-Fahrten ständig Leute ins Wasser springen. Erste Regel hierzu: gesprungen wird erst nach Freigabe! Und weil sowohl das Schiff als auch die Beiboote an einem Ende einen Hochleistungsgemüsehobel haben, gibt es auch eine Regel für das Wiedereinsteigen: egal, wie sehr du frierst oder Durst oder Schiss hast, du gehst erst nach Weisung an Bord! Nach all den ernsten Themen stellte sich Matthias vor. „I am Matthias, your chef“. Tosender Applaus von allen Seiten. Und der war durchaus berechtigt, obwohl wir da noch gar nicht wussten, wie gut er kochen würde. Seine Küche war lecker und abwechslungsreich, reichhaltig – bei Schwimmern besonders wichtig – und er hatte für alle Diätanforderungen, von denen es einige gab, eine leckere Variante. Und er kochte bei jedem Wetter, auch während einer stürmischen Überfahrt, mit Wellengang im Suppentopf. Durch die widrigen Wetterverhältnisse mussten unsere guides oft kurzfristig einen Schwumm ansetzen. Egal, es gab vorher eine Kleinigkeit, hinterher was zu knabbern und dazu immer Tee und Kaffee, alles aufgetragen von Sara, Pete und Keith sowie von Stefan, dem Schiffseigner, der auch mit an Bord war.
Während der ganzen Auftaktveranstaltung erlebten wir schon mal das Wetter, das uns die Woche über begleiten sollte: heftiger Regen, heftiger Wind und strahlender Sonnenschein in jeder mathematisch möglichen Kombination. Zwischendrin gaben wir noch die wesentlichen Details unserer Krankenakten zum Besten, damit die Mitreisenden nicht über Gebühr erschräken, wenn sie dies oder das zu Gesicht bekämen. Was beim Schwimmen ja unvermeidlich ist. Das ist ja der Vorteil an Beziehungen zwischen Freiwasserschwimmern: man hat sich gegenseitig schon mal nackt gesehen, so bleiben Überraschungen erspart… Zu guter Letzt gaben Pete und Keith noch einen Überblick über die Schwumms des Tages.
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Pete ist übrigens nach eigener Aussage der dienstälteste Rettungsschwimmer in England und kennt jeden Meter Küste in unserer Gegend. Das sollte sich noch als wichtig erweisen. Die Hurrikan-Saison in Amerika, mit drei Hurrikans in einer Woche, war die schlimmste in den letzten zehn Jahren. Die Wettersysteme, die dafür verantwortlich waren, lagen immer noch über dem Nordatlantik und sorgten auch bei uns für Stimmung. Die Wettervorhersage bestand also überwiegend aus Sonnenschein; kornischem Sonnenschein, der auch schon mal sehr feucht sein kann… Das Tourprogramm von Swimtrek, mit genau verzeichneten Strecken für jeden Tag, war nur ein unverbindlicher Anhaltspunkt. Dank Petes Ortskenntnis würden wir aber jeden Tag einen halbwegs geschützen Ort für einen interessanten Schwumm und jede Nacht einen einigermaßen geschützten Ankerplatz finden.
Inzwischen waren wir nahe an unserem ersten Schwimmstart angelangt, beim Mount St. Michael. Wir machten uns seefein, die guides erklärten uns den Weg, dann stiegen wir in die Schlauchboote und fuhren zum Start. Der Wind peitschte uns die Gischt um die Ohren und nur für die Kamera setzte ich ein Grinsen auf. Grinsen hilft immer und wir kamen gut gelaunt an. Aus den Schlauchbooten rutschten wir ins knietiefe Wasser, alberten noch ein bisschen rum und schwammen los. Ein ganz ungewohntes Gefühl: das Wasser war salzig und aufgewühlt, aber klar. Wir trieben über Seegraswäldern in der Brandung hin und her, während wir versuchten, geradeaus zu schwimmen und nicht zu viel zu schlucken. Am äußersten Vorsprung der Insel ging es durch kräftige Brandung, zum Glück von hinten. Mit dem richtigen Timing konnte ich hin und wieder bodysurfen. Allerdings flog mir dauernd meine Boje um die Ohren, an der die Kamera hing. Den Rest der Woche würde ich darauf verzichten; ich habe volles Vertrauen zu unseren guides, die uns auch so permanent im Blick haben. Nachdem ich um den Vorsprung rum war, wurde die See ruhiger. Noch einige Minuten, dann bekamen wir zu trinken, stiegen wieder in die Boote und fuhren zurück zum Schiff, wo wir mit Tee und Keksen und einem großen Pott Kartoffelsuppe aufgewärmt wurden.
Fortsetzung folgt…
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Cornwall & Cornwall 2/x

Schwimmen! Dazu war ich hergekommen und dank meines Flughafensprints sollte ich am Anreisetag tatsächlich noch zwei Mal ins Wasser kommen. Der früher-als-gebuchte Zug brachte mich um 15:30 nach Penzance, genug Zeit, um in den Jubilee Pool zu steigen. Aber erst mal wollte ich ins Hotel, das laut Karte schräg gegenüber sein sollte. Dank der Hinweise von Swimtrek war mein Gepäck überschaubar und ich war in fünf Minuten beim Pool.
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Durch das offene Tor warf ich einen ersten Blick auf die Anlage. 50 Meter weiter fiel mein Blick dann tiefer und ins Meer, wo zwei ältere Herren gemütlich herumplantschten.
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Noch ein paar Mal 50 Meter weiter stellte ich fest, dass ich vor lauter Blickwerferei am Hotel vorbeigelatscht war. Also umgekehrt und zurück. Im Stanley war kein Mensch zu sehen, auch nicht nach Klingeln und Klopfen. Ich kramte meine Reservierung heraus und stellte fest, dass vor 16 Uhr keiner da war. Also ging ich über die Straße, deponierte mein Gepäck auf der Rampe, zog mich um und stieg zu den zwei Opas ins Wasser. Klares, kühles Salzwasser war eine gewaltige Abwechslung zu meinen bisherigen Gewässern in diesem Jahr. Ich schwamm zwei Runden, plauderte mit den Kollegen und schoss ein paar Fotos.
Darüber war es 4 geworden und ich checkte ein. Die Bude unterm Dach mit dem Bett unter der Schräge war die perfekte Einstimmung auf die beengten Verhältnisse auf dem Schiff. Dann mit Zweitbadehose und Handtuch unterm Arm zum Pool. Der entpuppte sich – nicht ganz wider Erwarten – als salzig und unbeheizt, aber immerhin 2-3 Grad wärmer als das Meerwasser in der Bucht nebenan. Ich zog ein paar Bahnen, im dreieckigen Becken keine ganz leichte Übung. Die Dusche war dann mit Süßwasser und schön warm. Als ich rauskam, sah ich einen Herrn im Swimtrek-Pullover: Keith, unser guide für die nächsten Tage. Die Kollegin im Becken stellte sich als weitere Teilnehmerin heraus, Jos.
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Wieder trocken spazierte ich den guten Kilometer am Kai entlang zum Fischerhafen von Newlyn,
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wo die Lady of Avenel vertäut war.
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Dort traf ich wieder Keith, dazu Matthias, unseren Koch. Beruhigt stellte ich fest, dass die notwendigsten Dinge bereits an Bord waren.
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Zurück in Penzance suchte ich nach einem gepflegten Abendessen, das ich allerdings in Etappen einnehmen musste. Im Pub war die Küche defekt und der Fish’n’chips-Laden schenkte keinen Alkohol aus. Danach war ich von dem langen Tag auch fix und fertig und faltete mich unter meine Dachschräge. Samstagmorgen beim Frühstück traf ich Ed. Meine Befürchtungen von der Zugfahrt zerstreuten sich im Nu, wir unterhielten uns prächtig und futterten Englisches Frühstück. Ed hatte ein Taxi bestellt und so kamen wir bequem und pünktlich zum Schiff.
Fortsetzung folgt.
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