Kein Buch für mich

Es passiert selten, dass ich ein Buch nach 30 Seiten final weglege, aber gestern war es so weit. „Alte Sorten“ von Ewald Arenz hat mich vom ersten Satz an genervt. Der zweite Satz war noch schlimmer als der erste. Dass ich überhaupt bis Seite 30 gekommen bin, muss am Wein liegen – ein klarer Beweis für die Gefahren des Alkohols!

Was ist an den beiden Sätzen so schlimm? Ohne Rücksicht auf meine psychische Gesundheit habe ich die erste Seite nochmals aufgeschlagen und diese beiden Sätze studiert. Der erste Satz geht über 1 1/3 Zeilen und besteht aus 17 Wörtern. Davon sind sechs Substantive. Zieht man noch die fünf Artikel ab, besteht der Satz zur Hälfte aus Nomen, mit denen der Autor die Leser*innen überrollt. Der zweite Satz ist dann linguistisch dermaßen konfus, die Enstprechung im Fußball wäre ein verschossener Elfmeter, der im eigenen Tor landet. Das Corpus Delicti im Zitat: „Als Liss […] hügelan fuhr, sah diese aus wie Wasser, …“. Worauf sich „diese“ bezieht, ist auf Anhieb erst mal völlig schleierhaft. Im Satz selbst ist kein Bezug erkennbar. Im vorhergehenden Satz sind drei weibliche Begriffe, die in Frage kämen, ich habe mich dann für „die Luft“ entschieden, um die es offenbar ging.

Hinter dem übernächsten Punkt lauert schon die nächste Stalinorgel. Arenz bombardiert das Publikum mit einer dicht geballten Salve von gewagten Metaphern und sprachlichen Wunderkerzen und spielt seine Rolle als sprachgewaltiger und -gewandter Autor so aus, wie seinerzeit die USA in den Irak eingezogen sind: mit „shock an awe“.

Kurz darauf betritt die zweite Hauptfigur die Szene: Sally, eine minderjährige Frau, die aus einer Klinik davongelaufen ist, in der sie wegen Essstörungen untergebracht war. Und wieder spielt Arenz den germanistischen Zampano: er lässt nicht nur mit großer Meisterschaft die verpeilte Göre ganz überzeugend im rotzig-trotzigen Jugendslang sprechen, er übernimmt diesen Sprachduktus stückweise für die Erzählung, gerade so, als ob Sally ihre Geschichte selbst erzählte.

Danach hatte ich genug von diesen sprachlichen Taschenspielertricks; Buch zu verschenken.

P.S. Warum eigentlich fährt Liss mit einem leeren Anhänger am Traktor in die Weinberge, kehrt dort um und fährt mit dem leeren Anhänger wieder zurück?

Über Günter

Manager und Triathlet
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